03.12.2006 Landesmeisterschaften Querfeldein, Dassow

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Chriz
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03.12.2006 Landesmeisterschaften Querfeldein, Dassow

Beitragvon Chriz » Mo Dez 04, 2006 14:49

Was für ein Tag!

Am Sonntag fanden in Dassow (MV) die Meisterschaften der Nordverbände im Querfeldeinfahren statt. Nachdem ich dort im letzen Jahr bereits in der zweiten Runde mit einem Reifenschaden aufgeben musste hatte ich extra mein Ersatzrad mitgebracht, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Gebraucht habe ich es während des Rennens zum Glück nicht.

Als ich mit meinem Teamkollegen Felix in Dassow eintraf, sollten gerade die Rennen der Junioren und der Frauen gestartet werden. So konnten wir noch ein wenig verschnaufen und mit den Konkurrenten des Eliterennens schnacken. Die gesamte Schleswig-Holsteiner Cross-Szene war natürlich genauso vertreten, wie die Sportler aus Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, wobei die Schleswig-Holsteiner mit 9 Fahrern die größte Anzahl im 33 Fahrer umfassenden Starterfeld einnahmen. Es sollte also eng werden. Schnell wurde ich von meinen Mitstreitern zum Favoriten für den SH-Meistertitel erklärt, was mir etwas zu schaffen machte, weil diese Rolle doch sehr ungewohnt für mich war. Wenn man jedoch die Ergebnisse der letzten Rennen in Betracht zieht, war die Zuweisung der Favoritenrolle sicherlich gerechtfertigt.

Zwischen dem Rennen der Frauen/Junioren und dem Seniorenrennen hatten Felix und ich dann Gelegenheit die Strecke mit dem Rad zu begutachten und die beste Linienwahl zu diskutieren. Im Vergleich zum letzten Jahr hatte der Veranstalter den Kurs leicht verändert, so dass er insgesamt etwas flüssiger zu fahren war. Der Start sollte auf einem geschotterten, breiten Weg erfolgen welcher nach einer langgezogenen Linkskurve abrupt in einen schmalen Trail überging. Im Trail galt es dann einige Schlaglöcher zu durchfahren und einen umgestürzten Baum zu überqueren, der nicht wirklich ein Hindernis darstellte, da er einfach zu flach war. Es folgten eine kurze Gerade und dann ein 20 Meter langer, recht steiler Anstieg, welcher dann in einen 100 Meter langen leicht ansteigenden Trail überging. Am Ende des Anstiegs fing dann das für mich schlimmste Stück des Kurses an. Ein mehrere hundert Meter langer, mit Wurzeln gespickter Waldweg ließ mich in jeder Runde zum Pingpong-Ball werden. Ich denke, hierfür bin ich einfach zu leicht gewesen. Die sich anschließende schnelle Abfahrt lag mir dann wieder etwas besser und dem folgenden langen Flachstück kam ich auch sehr gut zurecht. Eine 180° Kurve zwang die Fahrer dazu, ihr Tempo fast auf Null zu verringern, um dann den zweiten Anstieg des Kurses hinaufzuhecheln. Auf 200 Metern ging es mäßig steil in Richtung Start-/ Ziel-Gelände zurück. Als wäre es nicht schon anstrengend genug gewesen, hatten die Veranstalter am Ende des Anstiegs drei sehr enge Kurven auf dem Rasen abgesteckt. Noch ein paar Meter und zwei Kurven und die Fahrer hatten die erste Runde hinter sich.

Am Start stand ich in der zweiten Reihe etwas eingeklemmt zwischen der Absperrung und Thorben Woelki, dem 6 fachen Schleswig-Holsteinischen Landesmeister im Cross. Gleich neben Thorben postierten sich zwei Fahrer vom Post SV Heide. Diese beiden waren schon am letzten Wochenende das Testrennen auf dem Kurs gefahren und hatten somit die vermeintlich bessere Streckenkenntnis. Die anderen Schleswig-Holsteiner waren weit verstreut im Fahrerfeld. Der Startschuss erfolgte und die Hatz ging los. Die Meute hetzte auf die erste langgezogene Kurve zu und ich fand mich im Trail auf Platz 8 wieder. Thorben fuhr auf 7 und einer der Fahrer aus Heide war auf dem 5. Platz. Nach einer kurzen Absprache mit Thorben war die Sache klar, wir mussten möglichst schnell an unserem Mitstreiter vorbeiziehen und uns nach vorne absetzen. Bis zum Anstieg war der Weg zu schmal zum überholen und auch am Berg kamen wir nicht vorbei. Auf dem Wurzeltrail zogen wir dann das Tempo an. Thorben fuhr links vorbei und ich folgte ihm rechts vorbei, setzte mich sofort vor ihn und machte auf der langen geraden das Tempo. Zwei Fahrer fuhren hier im Windschatten hinter uns her, darunter der Fahrer aus Heide. Bis zum Ende der Runde passierte nichts mehr. Erst im Start-/Ziel-Bereich konnte der Heider wieder an uns vorbeiziehen, aber wir blieben ihm auf den Fersen. Kurz vor dem steilen Anstieg zog ich dann wieder rechts an ihm vorbei und hoffte, dass Thorben mir folgen würde. Erst oben am Berg hatte ich dann Gelegenheit mich auch davon zu überzeugen, als Thorben auf dem Wurzeltrail die Führung übernahm. Unseren Konkurrenten aus Heide hatten wir abgeschüttelt, hatten nun aber ganz andere Probleme, denn von hinten fuhren nun Wolfgang Francke (Herford) und ein Fahrer aus Bad Doberan auf uns auf und überholten uns. Thorben setzte sich an ihr Hinterrad und auch ich klemmte mich in den Windschatten. Wieder passierte bis zur nächsten Runde nichts, erst als wir erneut in den Wurzeltrail einbogen setzte Thorben eine Attacke. Wolfgang konnte ihm folgen, ich hingegen fiel mit dem Bad Doberaner 20 Meter zurück. Auf dem Flachstück hoffte ich, das er das Tempo machen würde, aber er zuckte kurz mit dem Ellenbogen als Zeichen, dass ich vorbeifahren sollte. Also machte ich das Tempo und konnte die Lücke noch auf dem Flachstück wieder schließen. Am folgenden Anstieg setzte Thorben erneut eine Attacke, er hoffte, dass ich bei der Aufholjagd zuviel Kraft gelassen hatte, doch ich konnte dranbleiben und wir fuhren weiterhin in der Vierergruppe um den Kurs.
Nun war ich an der Reihe, mein Glück zu versuchen. Ich ließ mir eine ganze Runde Zeit und setzte mich dann kurz vor der 180° Kurve vor Thorben. Am nun folgenden Anstieg zog ich mit aller Kraft das Tempo an und konnte zum Glück einige Meter zwischen mich und Thorben legen. Die beiden Mitstreiter mussten ebenfalls abreißen lassen. Für mich hieß es nun: Alles oder Nichts. Als ich durch den Start-/Ziel-Bereich kam hatte ich noch vier Runden zu fahren und mir rutschte fast das Herz in die Hose. Hatte ich etwa zu früh angegriffen? Konnte ich mit dem Favoritendruck umgehen?
Ich fuhr die nächsten beiden Runden Vollgas, aber der Abstand zu Thorben blieb gleich groß, nach vorne konnte ich mich also nicht absetzen. Ganz im Gegenteil, auf dem Wurzelstück, wo ich mich immer noch wie ein Pingpong-Ball fühlte, holte Thorben in jeder Runde ein wenig auf. Dafür konnte ich an den Bergen ein paar Meter auf ihn gewinnen.
In den letzten beiden Runden fühlte ich mich nur noch schlecht. Die Lunge brannte, die Beiden hatten keine Verschnaufpause mehr und die Reserven waren vollkommen aufgebraucht. Auch kleine Fahrfehler schlichen sich ein und ich musste mich enorm konzentrieren, um nicht noch zu stürzen und alles zu verlieren. Im letzten Anstieg rutschte ich sogar noch im Wiegetritt aus dem Pedal, aber die Lücke war zu groß geworden, als das ich dadurch noch das Rennen hätte verlieren können. Trotzdem war ich mir bis 200 Meter vor dem Ziel nicht sicher, ob ich nun wirklich gewinnen würde.

Bei der Zieldurchfahrt fiel dann endlich alles von mir ab und ich fuhr mit ausgebreiteten Armen über die Ziellinie. Alle gratulierten mir und ich fiel jedem, den ich in Finger bekommen konnte um den Hals. Der HAMMER!

Als Lohn für die Mühen überreichte mir unser Landesverbandspräsident Bernd Schmidt eine schön goldig glänzende Medaille. Sie wird einen Ehrenplatz bei der silbernen und der bronzenen aus den beiden letzten Jahren bekommen.

Noch einen besonderen Dank an Frank Corleis, der mir vor dem Rennen noch seine Ersatzlaufräder anbot, falls ich im Start-/Ziel-Bereich einen Reifenschaden erleiden sollte. DANKE!

Christian

Carsten

Beitragvon Carsten » Mo Dez 04, 2006 21:37

Richtig spannend zu lesen, da kann man richtig mitfiebern. Denke mal richtig vorbildlich wie das ablief und man empfindet richtig mit....
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Sven
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Beitragvon Sven » Mo Dez 04, 2006 22:17

Ich hab den Bericht heut nachmittag im Job gelesen und fühlte mich hautnah dabei. Wow...ich war wie gebannt. Meinen höchsten Respekt vor diesem Kraftakt!

:pray:

Ich hätte gerne ein Autogramm!

LG Sven :D
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Carsten

Beitragvon Carsten » Di Dez 05, 2006 12:17

Ich kenne das Gefühl es ist 10 Jahre her, als ich damals bei den Sächsischen Downhillmeisterschaften den ersten Platz belegt hatte.

Man legt eine Zeit im ersten Bikeschieberei vor, die knapp war, im zweiten Bikeschieberei gibt man alles, irgendwie ganz von Sinnen und es läuft rund und dennoch bangt man.....man erwartet die Zeit und hat dann Bestzeit im 2.Bikeschieberei....dann wieder hoffen und bangen....und dann der Moment wo man weiß das man siegt...einfach unglaublich...

Chriz du wirst Jahre von diesem Moment gut haben, selbst ich zehre davon noch in manchen Momenten.... :D


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