08.05.2005 Ostsee-Radmarathon in Oeversee 2. Bikeschieberei Nordcup

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Jens

08.05.2005 Ostsee-Radmarathon in Oeversee 2. Bikeschieberei Nordcup

Beitragvon Jens » Di Mai 10, 2005 10:50

Zum Ostseeradmarathon nach Oeversee bin ich zusammen mit David gefahren. Wider aller Erwartungen hatten wir auf der Hinfahrt angenehmes Wetter, bei dem jeder normale Mensch sogar ernsthaft übers Radfahren hätte nachdenken können.

Pünktlich gegen 6.45 Uhr erreichten wir Oeversee, meldeten uns und begrüßten die üblichen Gesichter. Von Torsten, dem ersten Vorsitzenden des RSC, wurde ich dann, wie in Poppenbüttel versprochen, persönlich mit Umarmung begrüßt. Ich glaube, wer für das bo-racing-team an den Start geht ist schon irgendwie ein kleiner VIP (dummer Scherz am Rande). Es war also alles roger.

Meine Freude wurde sogar noch größer, als ich auf dem Parkplatz Sebastian vom RV-Trave traf. Zusammen hatten wir schon den letzten Bikeschieb in Poppenbüttel überstanden. Jetzt war sogar noch David mit dabei, womit fast nichts mehr schief gehen dürfte.

Wir bauten also schön die Räder zusammen, hefteten die Startnummern an die Trikots, befüllten die Trinkflaschen und taten, was sonst noch zu vor dem Start getan werden muss. Mitten in den Vorbereitungen kam dann der erste Wolkenbruch und läutete die großen Wasserspiele von Oeversee ein.

Ich glaube, zum Start hin hörte es sogar kurz auf, so dass, als wir gegen 7.30 Uhr auf die Strecke geschickt wurden, von oben eigentlich kein neues Wasser mehr nach kam. Aber wie gesagt, es kam lediglich kein neues Wasser von Oben. Was aber kam war der Mist, der auf der Straße lag und nun von gut 100 Marathonfahrern und deren Räder hochgewirbelt wurde. Es war folglich wie im Dauerregen und die Hosen waren schnell durch.

Wir orientierten uns, nach einer passenden Gruppe suchend, im vorderen Feld. Dieses Vorhaben wurde durch eine glückliche Fügung der deutschen Bahn, die im rechten Moment ihre Schranken vor der ersten Gruppe schloss, begünstigt. Wir waren nun alle beieinander. David zog es nach vorn und Sebastian und mich zog es mit.

Hui, ging hier die Post ab. Besonders nach Kurven wurde mächtig ins Horn geblasen. Sogar so mächtig, dass Sebastian und ich uns fragten, ob die Jungs vorne realisiert hatten, dass heute 210 Kilometer auf der Agenda standen. Schneller als erwartet kam dann die erste Verpflegung. Mein Tacho zeigte etwas von einem 34er Schnitt. Wir beschlossen folglich, die ganz schnellen Jungs ziehen zu lassen.

Tatsächlich bildete sich eine brauchbare Gruppe und Ruhe kam in die Angelegenheit. So hätte es gern weiter bikeschieben können. Es kam ein kleines Waldstück, Sebastian und David machten gerade die Pace, als der Hinterbau meines Rosses etwas zu weich wurde. Mein erster eigener Rennradplatten. Herzlichen Glückwunsch! Nur warum unbedingt jetzt. Ich schrie noch kurz nach den Meinen, aber niemand hörte mich, als ich an den Straßenrand rollte und mich zu einem ebenfalls flickenden Fahrer gesellte.

Schwups war der neue Schlauch drin und sogar ein Kollege meines Mitgestrandeten gesellte sich zu uns. Na ja, immerhin zu Dritt dachte ich mir. Mit den Worten“ Du kommst ja klar“ verließen die Strolche mich noch bevor mein Hinterrad anständig Luft gefasst hatte. Nun stand ich da, allein nach 27 Kilometern und genau genommen ohne echte Lust zum Weiterfahren. Trotzdem stieg ich aber wieder in den Sattel und hatte auch bald eine Gruppe eingeholt, die vernünftig aber ruhiger fuhr, mit dabei war auch Norbert aus Hamburg, der erste gemeldete Fahrer unseres CTF-Marathons in Felde. Es gab also das ein oder andere Wort zu wechseln.

Als wir dann so fuhren, kamen David und Sebastian der Gruppe entgegen. Das nenne ich Teamgeist. Meine Laune stieg schlagartig und ich berichtete von den Ereignissen. Die Gruppe wurde dann aber doch ein wenige zu langsam und wir beschlossen zu Dritt ein paar Kohlen mehr auf zu legen. Mich zog es doch mächtig zur nächsten Verpflegung, denn mit einer Standpumpe könnte ich den Druck im Hinterrad wieder auf den gewohnten Level bringen.

Wir machten also eine gute Arbeit, fuhren ein paar Fahrer auf und machten den ein oder anderen Kilometer gut. Dann kam etwas unerwartet die Kopfsteinpflasterpassage. Ca. 800 Meter sinnfreies Gerüttel, dann 100 Meter mieser Asphalt und schließlich wieder ca. 600 Meter Gerüttel. Es ist doch schön, wenn man hier mit weniger Druck fahren kann, dachte ich bei mir und genoss den Komfort. Als dann alles vorüber war, konnten wir erneut halten, denn mein Hinterrad war, wie hätte es auch anders sein sollen, eine luftfreie Zone.

Sichtlich genervt zog ich den letzten Schlauch mit langem Ventil heraus und wechselte ihn gegen den alten. Vorher zog ich noch zwei miese kleine scharfkantige Steinchen aus meinem Reifen. Während David und Sebastian versuchten mich zu beruhigen und mir seelischen Beistand leisteten, passierten uns alle aufgefahrenen Fahrer. Hätte es eine echte Chance gegeben an dieser Stelle abzubrechen, ich hätte es getan. Keine 50 Kilometer auf der Uhr, zwei Platten und der Regen - es reichte. Was mich aufbaute war die Tatsache, dass der Schnitt trotz meiner Eskapaden, immer noch über 30 Km/h lag und dass der Kurs gar nicht so hügelig wie befürchtet war. Auch standen immer mehr Fahrer am Rand und zogen neue Schläuche ein. Offensichtlich hatte nicht nur ich allein das Vergnügen.

Es kam die zweite Kontrolle mit der erhofften Pumpe und auch meine Motivation kam bei Cola und Banane zurück. Alles wird gut. Zu Dritt gingen wir die Sache nun mit vernünftigem Druck in den Reifen an. Bei Kilometer 80 war ich dann auch wieder komplett on board. Nur der immer wieder einsetzende Regen war nicht ganz so toll, aber mit den Kilometern wird eine Nebensächlichkeit wie das Wetter fast schon egal.

An der dritten Verpflegung kam sogar die Sonne raus, allerdings ließ sie es sich nicht nehmen und brachte reichlich Gegenwind mit. Wer hatte das bloß gebucht? Die Strecke wurde auch noch immer hügeliger. Nicht, das wir nur ein paar größere Erhebungen hätten bewältigen müssen. Nein, das wäre zu einfach gewesen. Denn jeder Berg hat irgendwann einen Gipfel. Es waren vielmehr die kleinen Sauereien, die hier nervten und Körner aus den Beinen zogen. Es waren wirklich nie mehr als 10 Höhenmeter rauf oder runter, aber dafür halt beständig. Warum weiß ich nicht aber mir schießen ein paar Zeilen von Torfrock durch den Kopf. Den anderen sage ich aber nichts, sondern singe leise: „ Torfmoorholm liegt in Norddeutschland, früher hat man nur den Torf gekannt......“

Sebastian fing an seine Knie zu spüren und auch David musste wohl ein wenige dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Bei Langballingau kam dann die Mauer. Ein wirklich langer und gemeiner Anstieg. Ich bemühte sogar das viel zu oft belächelte dritte Kettenblatt an meiner FSA-Kurbel und fuhr sichtlich gut damit. Nach der Mauer nahmen wir das Tempo etwas raus und begaben uns in ein noch hügeligeres Gebiet.

An der nächsten Verpflegung gab es schließlich die warme Marathonmalzeit, die diesmal gierig verschlungen wurde. Es gab unter den Nudeln keine Gefangenen. Lange Pause wollten wir aber nicht machen, denn das Ziel war mit gut 135 Kilometern noch weit. Nach einem Hagelschauer und unzähligen kleineren mittlerweile nebensächlichen Regenschauern ging es in Richtung Schlei. Kurz vor Lindaunis hatten wir die nächste Verpflegung am Wickel und ich das Lied immer noch im Kopf. „Torfmoorholm liegt in......“ Ich glaube, nun begann auch Davids Kette zwar nicht im Takt, aber so singe ich wahrscheinlich auch nicht, mit ein zustimmen.

Mit vollen Trikottaschen fuhren wir weiter. Die Fahrt sollte aber nicht lange dauern. Kurz vor Gunneby leistete David seinen Teil zur Defektstatistik und vermeldete einen Platten am Hinterrad. Wir wechselten also wieder einen Schlauch. Fast hätten wir ja vergessen, wie so etwas funktioniert bei unser geringen Übung. Bei warmer Sonne war es aber beinahe eine angenehme Aktion und auch die Bananenstücke von der Verpflegung schmeckten.

Die Hügel wurden nun flacher und wir fuhren in Schleifen in Richtung Süderbrarup. Das Tempo fiel nochmals, denn Kondition und Knie sehnten sich nach einer weiteren, aber bitte planmäßigen Pause. Diese machten wir an der letzten Kontrolle 25 Kilometer vor dem Ziel. Schnell noch mal die Flaschen und Trikottaschen füllen und mit Rosinenbrötchen zwischen den Zähnen eine letztes Mal rauf auf die Räder.

Wieder gelang es uns, ein paar Leute aufzufahren, die uns während unser Bastelaktionen lächelnd passiert hatten. Auch dieser Marathon musste doch irgendwann vorüber sein, schoss es mir durch den Kopf, als es erneut Niederschlag gratis gab. Immer noch geht mir das blöde Lied durchs Hirn. Hoffentlich kann ich es jemals wieder vergessen. Ach ja, auch die Kette an Davids Rad wird nicht stiller.

Dann, endlich ein Schild des Veranstalters verkündet die frohe Botschaft. Es sollen nur noch 10 Kilometer sein. Als die 200 Kilometermarke fällt wird mit den Trinkflaschen angestoßen. Was sein muss, dass muss eben sein. Da noch beide meiner Flaschen fast voll sind, entlehre ich nun den Inhalt einer Flasche. Auf 10 Kilometern werde ich wohl kaum noch soviel trinken wollen und mit nach hause musste das Apfelsaft-Leitungswasser-Gemisch auch nicht.

Ca. fünf Kilometer vorm Ziel wird es dann noch mal lustig. Sebastians Hinterreifen verliert Luft. Warum auch nicht, so was ist uns ja auch völlig unbekannt. Da der Luftverlust nur schleichend von Statten geht, beschließen wir uns ins Ziel zu retten, ohne den Schlauch aus seiner gewohnten Umgebung zureißen und ihm stattdessen, wenn nötig mit der Handpumpe etwas nachzuhelfen. Alles geht aber gut.

Alles geht gut? Wirklich alles? Die letzten Kilometer verlaufen bis kurz vors Ziel würdevoll und auch die Luft in Sebastians Hinterrad verläßt uns nicht zu vorschnell. Noch 300 Meter bis ins Ziel. Die Schule ist sichtbar, dann wird der Hinterbau meines Zossen so komisch weich. Was mir nun über die Lippen kam, werde ich hier nicht wiedergeben. Fahrend erreiche ich aber dennoch das Ziel, den was zuviel ist, ist zuviel. Wenn das Hinterrad halt keine Luft will, dann soll es auch keine mehr bekommen.

Im Ziel ist aber schlagartig alles wieder gut. Es gibt 5 fette RTF-Punkte und die Nordcup- Glasplakette. Wir verabschieden uns von Sebastian und ich spreche nochmals mit Torsten. Die Sonne scheint bis zu dem Moment in dem ich mein Rad ins Auto packen will. Der letzte Hagel fällt auf uns herab, aber auch das ist jetzt egal. 211,34 Kilometer liegen hinter uns, der Schnitt liegt bei für die Bedingungen annehmbaren 28,11 km/h. Wir waren also 7,35 Std. im Sattel.

Am nächsten Tag wird erst mal das Rad einer Grundüberholung zugeführt. Ich glaube, ich habe schon unmittelbar nach einem MTB-Rennen ein saubereres Gefährt gehabt. In jeder Ritze ist Dreck und Sand. Die drei Schläuche werden geflickt. Die Schleifspuren auf den Kurbeln - durch Schuhe und Sand verursacht - regen mich nicht mehr auf, denn ich bin ja im Ziel. Verduzt blicke ich auf die hintere Bremse. Noch einen Millimeter weiter und ich hätte mit Metal bremsen können, der Belag jedenfalls scheint verdunstet. Als das Rad aber wieder sauber und funktionstüchtig ist, weiß ich, was ich am Abend machen werden. Rennradfahren!

Jens

Carsten

Beitragvon Carsten » Di Mai 10, 2005 13:53

nette Beschreibung, man kann es sehr gut nachempfinden ! :D

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David
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Beitragvon David » Mi Mai 18, 2005 19:50

Nun sind schon 10 tage vergangen seit dem vergnugen mit Jens und Sebastian und langsam kann ich ans radfahren denken ohne zu weinen. Ohne die kräftige unterstutzung von den beiden anfahrer wäre ich wahrscheinlich noch auf der strecke. Als ich gegen 9:00 uhr abends auf der couch am einschlafen war beschwor ich nie wieder so was zu machen aber vielleicht mit ein bisschen mehr training ...


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