Rund um das Dorf Berlin am 27.02.2021 - Brevet (Achtung! Seeehr langer Text und leider ohne Bilder)

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Steffi
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Rund um das Dorf Berlin am 27.02.2021 - Brevet (Achtung! Seeehr langer Text und leider ohne Bilder)

Beitrag von Steffi » Mi Mär 03, 2021 14:21

Ja, ich gebe es ja zu. Ein bisschen bekloppt muss man schon sein, wenn man mit dem Gedanken spielt, so früh im Jahr und ganz ad hoc - quasi aus der kalten Hose heraus - einen 200er zu fahren. Hinzu kommt noch, dass mein letzter ü100 auch schon gute 3,5 Jahre her ist.
Als mir Jochen, ein befreundeter Radsportkollege vom Endspurt Hamburg, die "Ausschreibung" des Audax Club SH zu dieser Tour geschickt hatte, hat es mich doch gewaltig gejuckt. Ich habe in den letzten Monaten schon gemerkt, dass mir die Langstrecke einfach fehlt. Nur so ganz alleine wollte ich das Ding nicht fahren, obwohl die Tour eigentlich als Einzelzeitfahren ausgeschrieben war. Mir ging es jedoch um die Strecke und nicht um die Zeit. Also habe ich kurzer Hand Axel angetickert (ich muss zugeben, dass ich ein klein wenig gehofft hatte, dass er nicht mitfahren möchte und ich somit aus der Nummer doch noch irgendwie herauskomme). Die Zusage kam prompt! Jetzt war ich mir nicht mehr so sicher, dass es eine wirklich gute Idee war. Schließlich sollte es über 210 km von Eutin nach Zarrentin und wieder zurück gehen. 210 km.... schaffe ich das überhaupt? Ach… Schnickschnack… erstmal losfahren. Und wenn ich nicht mehr kann oder keinen Bock mehr habe, setze ich mich einfach irgendwo in den Zug und fahre zurück zum Start. Mit dieser inneren Einstellung konnte ich gut leben. Also Track aufs Navi, Sachen packen, Rad einigermaßen startklar machen und los.
Es gab keine gemeinsame Startzeit und auch keinen gemeinsamen Startpunkt. Axel und ich trafen uns gleich morgens um 7.00 Uhr in Eutin am Bahnhof. So richtig war ich immer noch nicht davon überzeugt, dass es eine gute Idee war, dieses Ding zu fahren. Aber gut. Ich hatte die Klappe so weit aufgerissen und nun gab es kein Zurück. Navis an und los!
Es war von vornherein klar, dass wir eher gemütlich fahren wollen. Am Ende kam dann ein eher kaffeetantenartiger Schnitt von 22,5 km/h dabei raus. Aber gut, ich bin trotzdem sehr zufrieden.

Da Axel den Track nur auf dem Handy und dafür keine Halterung am Lenker hatte und somit das Telefon in der Trikottasche mitfuhr, haben wir uns erstmal entschieden, nur nach „meinem“ Track zu fahren. Sehr gute Idee…. hehe! Axel kontrollierte ab und zu. Irgendwann fiel ihm dann auf, dass sein Track gar nicht am Plöner See entlang läuft. Ich meinte nur, dass es doch egal und viel schöner sei, als auf der doofen großen Straße herumzufahren. Und die Aussicht auf den Plöner See bei etwas Nebel und morgendlicher Sonne war wirklich toll! Also fuhren wir erstmal weiter. So langsam kam aber auch mir mein Track spanisch vor. Dieser ging nämlich Richtung Bungsberg und wir wollten doch nach Meck-Pomm…und der gedachte Plöner See war gar nicht der Plöner See, sondern der Stocksee... Aaaaaarghhhhh!!!! Ich hatte den Vorjahrestrack erwischt… Nun hieß es also: husch husch, auf direktem Weg zum richtigen Track. 25 km Extraschleife! Und das gleich zu Beginn!! Meine Laune sank, denn ich weiß doch, dass am Ende jeder Extrakilometer richtig weh tun kann. Axel ließ sich davon jedoch nicht die Laune verderben und naja… ist nun passiert, was soll`s.
Von Damsdorf aus ging es Richtung Originaltrack, auf den wir dann in Schlamersdorf stießen. So rollten wir nun über Warder, Westerrade, Zarpen (hier gab es auch noch einen kleiner Verfranser), Ratzbek, Groß Wesenberg, Lüchow und Labenz erstmal nach Mölln. Da es schon mittags war und wir unsicher waren, ob wir in Zarrentin überhaupt etwas zu anständiges zu Essen kriegen würden, haben wir unsere große Pause vorgezogen und hier eine Currywurst-Pommes-Rast eingelegt, was sich am Ende auch als eine hervorragende Idee herausgestellt hatte, da dies auf der Strecke tatsächlich die einzige Möglichkeit war etwas auch nur annähernd nahrhaftes außerhalb von Brötchen, Kuchen oder Riegel zu sich zu nehmen.
Nach der Stärkung ging es weiter durch viele schöne kleine Dörfer wie Sirksrade, Borstorf, Gudow (nein Sven, Waterbuffets habe ich hier nicht gesehen – hehe) im Lauenburgischen und Testorf nach Zarrentin am Schaalsee in NWM. Hier war eigentlich etwas mehr als die halbe Strecke geschafft. Ich hatte allerdings schon 140 km auf dem Tacho. Und laut meiner Rechnung sollen jetzt noch 90 km kommen…. Bis hierher lief es aber erstaunlich gut. Hin- und wieder habe ich mal auf die Distanz geschaut und war schon etwas verwundert, dass die ersten 70 km und dann auch km 120 relativ schnell und körperlich ziemlich gut erreicht waren. Nur der Blick auf errechnete Enddistanz von 240 km ließ mich dann doch noch zweifeln. Aber ok. Von jetzt an waren es „nur“ noch 90 km und 90 km schafft man doch immer! Etwas mehr als eine klitzekleine Permanente. 45 km pro Bein! Was ist das schon? Pffft…. 90 km… Nix! (So rede ich mir übrigens innerlich alles schön – haha).

Gerald vom Audax Club SH ist bekannt dafür, sehr schöne Strecken zu erstellen. Landschaftlich war auch diese toll. Viele kleine kurvige und hüglige Straßen, kleine verwunschene Orte und hier und da ein kleiner Weiher oder See. Das ist einer der Gründe, warum ich die Langstrecke so liebe. Man kommt an bzw. durch Orte, an die man sonst nicht kommt bzw. welche man so gar nicht wahrnimmt.
Nun aber hurtig weiter. Wir wollen ja wieder nach Hause. Hier ging es zurück über Bernstorf, Kneese und Roggendorf hoch nach Neu Thurow, Dechow und Röggelin am Röggeliner See. So langsam merkte ich meine Schulter und die Knie und ich begann in Landkreisen bzw. Ost-West zu denken. Wann erreichen wir endlich den nächsten Landkreis? Und sind wir noch im Osten? Ja? Ernsthaft? Wie lange noch? Wenn ich so denke, weiß ich, jetzt wird es eng. Ich will nach Hause. Es reicht!
Ein Lichtblick war, dass es vom Priwall mit der Fähre nach Travemünde ging. Und von Travemünde bis nach Eutin – ha! – ein Klacks…. Aber erstmal mussten wir ja zum Priwall. Und da war noch Carlow (nächste Extraschleife durch ein Wohngebiet – auch das tat weh), Schönberg und Dassow im Weg. Zwischen diesen Orten lagen jeweils ungefähr 10 km. 10 jeweils recht schwere km, zumindest gefühlt. Ich hatte jetzt echt keinen Bock mehr. Wir hatten auch schon insgesamt 190 km auf der Uhr und es fing an so richtig weh zu tun. Dann kam das erlösende Schild „Priwall – Fähre – 2 km“!! Yeah!! So fuhren wir also voller Vorfreude auf die Fähre den Priwall entlang. Wir fuhren und fuhren und fuhren…. 2 km bis zur Fähre… 2 km. Verdammt! Was sind das für 2 km?? Die nehmen gar kein Ende! Ich habe nicht darauf geachtet, aber es waren die läääängsten 2 km, die ich je gefahren war.
Und dann tat sie sich auf. Die rettende Fähre rüber nach Travemünde! Von hier aus waren es dann auch nur 35 km bis nach Eutin. Aber ich war so durch, ich konnte nicht mehr. Bis hier hin hatten wir auch bereits 205 km hinter uns. Und wären wir nicht diese blöde Extraschleife am Anfang gefahren, hätten wir auch nur noch 5 km vor uns. Axel schlug kurz ein Taxi vor. Ich gebe zu, der Gedanke war verlockend. Aber ein Taxi für 35 km?? Nö! Das schaffen wir nun auch noch.

Ja, am Ende haben wir es geschafft. Ich mit „Ach und Krach“, stechenden Knie- und Schulterschmerzen; Axel hat es ganz gut verkraftet. Zumindest hat er nicht einmal gemeckert. Er tat mir schon etwas leid, musste er doch am Ende das geballte Gestöhne und Gejaule ertragen. Erst auf den letzten 5 km wurde es dann still. Bis zum Ortseingangsschild auf dem ganz groß Eutin prangte. Jetzt nur noch ein paar Meterchen bis zum Bahnhof, ab ins Auto und nach Hause. So war es dann auch. Die Meterchen entpuppten sich dann zwar noch als ein paar Kilometerchen, aber am Ende war trotzdem alles gut. Immerhin 241 km bei einer Nettozeit von knapp 11 Stunden. Brutto waren es gut 13,5 Stunden.

Und weil es so schön war, ist der nächste 200er schon geplant. Dann geht es von Nortorf nach Husum zum Fischbrötchen essen. Man gönnt sich ja sonst nix. Und Sven kommt diesmal mit! Yeah!!
Die Steigerung meines Erfolgs resultiert aus der Senkung meiner Erwartungen!

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Sven
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Re: Rund um das Dorf Berlin am 27.02.2021 - Brevet (Achtung! Seeehr langer Text und leider ohne Bilder)

Beitrag von Sven » Fr Mär 05, 2021 16:09

Hej..schöner Bericht...zack runter geschrieben, oder? :mrgreen:

Ja...klar...Fischbrötchen-Dingens ist geplant und ich bin gespannt aber komisch: dein Strava endet bei 223,10km oder ist da gar Dein Akku ausgegangen weil Du von 241 schreibst...scheiss Technik :-) . Egal..super Leistung. Sagte ich ja schon letztens.

Ansonsten gehts natürlich auch ohne Wasserbuffets aber vielleicht treffen wir ja auch ein paar an der Westküste...ich hoffe darauf. :bounce: :bounce2: (gestern gabs Schnitzel) :mrgreen:

CU
Sven
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